Philosophie

Philosophie der Psychologie, Psychogenealogie und Psychotherapie Ein Leitfaden für Philosophische Praxis

Kategorie:

Produktbeschreibung

Uwe Petersen

 

 

Philosophie
der Psychologie, Psychogenealogie
und Psychotherapie

Ein Leitfaden für Philosophische Praxis

 

 

 

 

ISBN 978-3-8300-5236-4

 

 

_________________________
2010 – Verlag Dr. Kovač

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

A. Begriffsbestimmung

I. Was ist Psychologie?

1.Psychologie ist eine Wissenschaft

2.Gegenstand der Psychologie

3. Die Intention des Psychologen

II. Was ist Psychogenealogie?

III. Was ist Psychotherapie?

IV. Was ist Philosophie?

B.Selbstwerdung und Selbstverwirklichung als
Spaltung

in und Vermittlung von Intellekt und Sinnlichkeit

I.Intellektuelle Selbstwerdung des
Menschen

1.Intellektuelles Selbsterleben und intellektuelle Selbstverwirklichung

durch Denken und Wollen

1.1 Intellektuelles Selbsterleben durch Denken

1.2 Intellektuelle Selbstverwirklichung durch Wollen

1.3 Das Ineinander von Denken und Wollen im intellektuellen Handeln

2.Intellektuelle Selbstwerdung als Vernunftwesen durch Erfassung und Abgrenzung von anderen

2.1 Verstehen als Nachvollziehen von intentionalen Seinsbeziehungen

anderer Menschen

2.2 Überzeugen,
damit andere eigene Seinsbeziehungen nachvollziehen

2.3 Das intellektuelle Selbst als Ineinander von Verstehen und Überzeugen

3.Selbstverwirklichung und intellektuelle Kommunikation

im Spannungsverhältnis

 

II. Sinnliche Selbstwerdung und
Selbstverwirklichung

des Menschen

1.Sinnliches Selbsterleben und sinnliche Selbstverwirklichung durch Erfahrung und sinnliche Tätigkeit

1.1 Sinnliches Selbsterleben durch sinnliches Erfahren

1.2 Sinnliche Selbstverwirklichung durch sinnliche Tätigkeit und <Gebären>

1.3 Das Ineinander von sinnlicher Erfahrung und <Gebären> als körperliches Handeln

2.Sinnliche Selbstwerdung durch Einfühlen und Unterjochen

2.1 Sinnliche Selbstwerdung durch Einfühlen

2.2 Sinnliche Selbstwerdung durch Kampf und Unterjochen

3.Sinnliche Selbstwerdung und sinnliche Kommunikation im

Spannungsverhältnis

4.Aufeinanderbezogenheit von Intellekt und Sinnlichkeit

III. Handeln und Liebe als Ausdruck des Selbst

1. Handeln als tätiges Selbst

1.1 Handeln als tätige Vermittlung von Intellekt und Sinnlichkeit

1.2 Selbstwerdung als Handelnder

1.2.1 Selbsterleben als Handelnder durch Anerkennung

1.2.2 Selbstsein als Handelnder durch Identifikation von Selbst und Gemeinschaft

1.3 Selbstwerdung als Handelnder und Gemeinschaftsbezogenheit

im Spannungsverhältnis

1.4 Innere Harmonie als willenloses Handeln bzw. als

Handeln ohne zu handeln (Wu-wei)

2. Liebe als fühlendes Selbst

2.1 Liebe als gefühlte Vermittlung von Intellekt und Sinnlichkeit

2.1.1 Selbsterleben in der Liebe

2.1.2 Selbstsein als Geliebter

2.1.3 Geschlechtliche Liebesgemeinschaft als Beispiel und ideale Voraussetzung höherer Selbstverwirklichungsstufen

2.3 Liebe im Spannungsverhältnis von Selbstwerdung und Selbstverwirklichung

 

C. Wachen und Schlafen

I. Wachen und Schlafen als seelischer Zyklus

1. Phänomenologie
des Schlafes

1.1 Einschlafen und Aufwachen

1.2 Schlafwachen: Der REM-Schlaf

1.3 Schlafarbeit

2.Phänomenologie des Wachens

2.1 Wachphasen

2.2 Wachschlafen:
Das Träumen

2.3 Wacharbeit

 

II. Wachen und Schlafen als Ergebnis der Selbstwerdung

1.Individuation von Lebewesen durch eigene biologische Uhren

2.Die Spaltung des Seelenlebens in Wachen und Schlafen

3.Die Vertiefung der Spaltung des Seelenlebens des Menschen durch seine Selbstwerdung

4. Narkolepsie als Ausdruck unterbrochener Selbstwerdung

 

III. Die Überwindung des Gegensatzes von Wachen und Schlafen als Ergebnis der Selbstverwirklichung

1.Handeln als Vermittlung von Wachen und Schlafen

2.Die Synthese von Wachen und Schlafen als innere Harmonie

3.Was geschieht mit den Taten des Menschen, die er nicht als ein ihm Fremdes im Schlaf verarbeitet hat?

 


D. Psychogenealogie


I. Kulturgeschichtliche Psychogenealogie

1.Die orale Phase der Menschheitsentwicklung

2.Die anale Phase der Menschheitsentwicklung

3.Die ödipale Phase der Menschheitsentwicklung

4.Die pubertäre Phase der Menschheitsentwicklung

5.Das Erwachsensein der Menschheit

 

II. Individuelle Psychogenealogie und
Psychopathologie

1.Die vorgeburtliche Phase des Menschen

2.Die orale Phase des Kindes

3.Die anale Phase des Kindes

4.Die ödipale Phase des Kindes

5.Die pubertäre Emanzipation des Kindes

 


E. Psychische Deformationen


I. Vorgeburtlich fixierte psychisch
Deformierte

1.Der Apathische

2.Der Zwangsneurotiker

 

II. Auf oraler Stufe fixierte psychisch Deformierte

1.Der Autist

2.Der Esssüchtige

2.1 Der Trinker

2.2 Der Raucher

2.3 Der Drogensüchtige

3.Der Hyperaktive

 

III. Auf analer Stufe fixierte psychisch
Deformierte

1.Der Phantast

2.Der Spielsüchtige

3.Der auf analer Stufe fixierte reflektierte psychisch Deformierte: Der Narziss

 

IV. Auf ödipaler Stufe fixierte psychisch
Deformierte

1.Der Fundamentalist

2.Der Opportunist

3.Die Magersüchtige

4.Selbstverletzendes Verhalten

 

V. Auf pubertärer Stufe fixierte psychisch
Deformierte

1. Der unrealistische Idealist

2.Der Gewalttäter

3. Menschen mit Helfersyndrom

 

VI. Psychisch Deformierte im Erwachsenalter

1.Unvollkommene Selbstwerdung im Erwachsenenalter

1.1 Der Sadist

1.2 Der Masochist

1.3 Sadomasochismus

2. Unvollkommene und einseitige Selbstverwirklichung

2.1 Der Manische

2.2 Der Depressive

2.3 Der Schizophrene

2.4 Der sich selbst Vermüllende (Messies)

3.Seelische Probleme bei älteren Erwachsenen

 

F. Philosophie der Psychotherapie

I. Das Verhältnis des Therapeuten zum
Patienten

II. Therapien zur Heilung psychischer
Deformationen

1.Verhaltenstherapien

1.1 Konzentrative Bewegungstherapie (KBT)

1.2.Spezielle Verhaltenstherapien

2.Medikamentöse Behandlung und chirurgische Eingriffe

3.Vernunftorientierte Therapien

3.1 Psychoanalyse

3.2 Allgemeine Gesprächstherapie

3.2.1 Verständigung über einen Sachverhalt

3.2.2 Gespräch als Streben nach Anerkennung

 

III. Philosophische Praxis

Literaturverzeichnis

Inhaltsangabe

Einleitung

 

Philosophie fragt nach dem Wesen des Menschen.Indem sie den Menschen selbst zum Gegenstand macht,
radikalisiert sie das Denken, durch das sich der Mensch aus dem instinktiven und gefühlten
Zusammenklang mit allem und allen herausstellt und die Erscheinungen vergegenständlicht. Dabei tritt er zu den Gegenständen in ein duales Verhältnis. Weil der Mensch leiblich zu den Erscheinungen dazugehört, spaltet das Denken den Menschen selbst in Vernunft und Sinnlichkeit, versteht ihn in der Regel seinem Wesen nach aber nur als Vernunftwesen.
Sinnlich wird ihr die Welt zu Trieben, die die Vernunft beherrschen muss.

Zunächst versucht Philosophie den Menschen noch aus dem Ganzen der Welt, als kosmische Erscheinung und, wo ihm dieses Umfassende Gott ist, als göttliche Schöpfung zu begreifen. Je mehr ihr der
Mensch aber denkendes und wollendes
Vernunftwesen und damit selbst göttlich wird, umso mehr muss sie die Frage nach dem Wesen des Menschen an den Menschen selbst richten, ihn fragen, was er will. So wird die Philosophie zur Begründung menschlicher Handlungen im Sinne „Was ist die Philosophie deines Handelns?“, wird sie zur Handlungsphilosophie.

Im Zuge der heute erreichten Individuation sind allgemeine Normen weitgehend fraglich und damit unverbindlich geworden, wenn sie nicht der Mensch auch selbst will.
Der Mensch muss immer mehr selbstverantwortlich handeln und sein Leben mit den
gesellschaftlichen und umweltlichen Gegebenheiten in Einklang bringen. So stellt sich auch für jeden Einzelnen in Bezug auf sein Handeln die Frage: „Warum tue ich das?“

Die Wissenschaften sind aus der Philosophie herausgewachsen, wurden allerdings auch von menschlichen Intentionen getragen, und so muss auch auf die hinter der Wissenschaft stehende Philosophie geschaut
werden, und dies insbesondere, je mehr Wissenschaft und Technik die Welt verändern und Probleme schaffen.

Besonders gilt dies für die Psychologie, die das Seelenleben des Menschen selbst zum Gegenstand hat. Soweit die Psychologie, wie die anderen Wissenschaften, sinnliche Phänomene beschreibt, geht sie allerdings über die Philosophie hinaus, beschäftigt sie sich mit dem, was das Andere der Vernunft ist und daher von der traditionellen Philosophie lange als nicht eigentlich zum Wesen des Menschen gehörig betrachtet wurde. Soweit Psychologie sinnliche Erscheinungen allerdings strukturiert und sinnvoll auf das Handeln bezieht, ist sie selbst
auch Philosophie.

Philosophie kann der Psychologie in Bezug auf sinnliche Erfahrung nichts geben, ist vielmehr selbst auf die von der Psychologie erforschten Erscheinungen angewiesen. Bestimmend wird Philosophie
aber, wenn es an die Deutung der Erscheinungen und ihre Bedeutung für den Menschen geht. Eine Philosophie der Psychologie radikalisiert insofern den theoretischen Aspekt der Psychologie und, da die psychologische Theorie die Bedeutung der Erscheinungen selbst
einbegreift, denn ohne Theorie könnten Erscheinungen nicht verstanden werden,
umfasst Philosophie auch die Psychologie, ist sie nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihre Vollendung.

Vernunft ist jedoch nicht selbstgenügsam, sondern auf Sinnlichkeit als ihrer anderen Seite angewiesen. Wenn sich der Mensch nur in seine Gedanken verspinnt und seine Leiblichkeit vernachlässigt, bekommt er psychische Probleme. Philosophie wurde daher zunächst über die Entwicklung der
Wissenschaften, dann aber auch, und insbesondere mit den Wissenschaften verbunden, in Bezug auf menschliches Handeln generell gezwungen, sinnliches Leben als dem Denken und Wollen gleichberechtigt anzuerkennen. Damit tritt die Spaltung des Menschen in Intellekt und Sinnlichkeit in den Blick.

In einer Philosophie der Psychologie werden die
vielfältigen Beziehungen zwischen Intellekt und Sinnlichkeit individuell und intersubjektiv zu behandeln sein, nicht zuletzt, um daraus ein Kategoriensystem zu gewinnen, das es erlaubt, psychische Phänomene, und insbesondere psychische Deformationen, zu
verstehen und therapeutisch behandeln zu können.

Die Spaltung in Intellekt und Sinnlichkeit ermöglicht bewusstes Leben. Nun vollzieht sich im Menschen vieles auch unbewusst, insbesondere im Schlaf, und schlafend ist der Mensch ständig, wenn
er verdaut, sein Blut kreist, er wächst und vergeht. Da diese Vorgänge psychologisch nicht unbedeutend sind, müssen auch Schlafphänomene analysiert werden.

Der Mensch hat sich, wie alles in der Natur, erst im Laufe eines sehr langen Zeitraums zu dem entwickelt, was er heute ist. Er war sich nicht immer ein selbstbewusst denkendes und frei wollendes Individuum. Um frühere Entwicklungsstadien und auch andere Kulturen, die auf, auch in
Europa früher anzutreffenden,Entwicklungsstadien stehen geblieben sind, zu verstehen, werden frühere Bewusstseinsstufen der Menschheit beschrieben und als Philosophie der Psychogenealogie gedeutet. Wir lassen uns dabei von dem Haeckelschen Biogenetischen Grundgesetz leiten, nach dem die Ontogenese von Lebewesen eine
Rekapitulation der Polygenese ist, drehen diese Beziehung bei der philosophischen Behandlung der Psychogenealogie allerdings um und beschreiben
die geistigen Entwicklungsstufen anhand der gängigen psychologischen Einteilungen der Kindheitsentwicklung als oral,
anal, ödipal und pubertär.
Unser heutiges Stadium wäre danach das der Erwachsenen, in der der Mensch
selbstverantwortlich handeln sollte.

Ich bin mir bewusst, dass ich dabei europäische Maßstäbe zugrundelege, glaube aber, nicht anders handeln zu können, weil die europäische Geisteshaltung inzwischen durch Wissenschaft, Technik und
Wirtschaft global bestimmend geworden ist. Das bedingt, dass sich andere Kulturen und Zivilisationen mit dem europäischen Erbe auseinandersetzen müssen. Auch lassen sich Verhaltensweisen anderer Kulturen in der europäischen Geschichte und auch heute noch anzutreffendem Verhalten nachweisen. Das Studium
anderer Kulturen kann deswegen auch zum Verständnis der europäischen Geistesgeschichte und sedimentierten psychischen Verhaltensmuster bedeutsam sein.

In Ostasien und Indien haben wir darüber hinaus
Vorläufer der europäischen Geistesentwicklung, die nur früher abgebrochen wurde
zu Gunsten einer Harmonisierung von Vernunft und Sinnlichkeit. Selbstständiges Denken und eigenwilliges Wollen wurden dabei tabuisiert. So ergaben sich die faszinierende Kosmologie des Taoismus mit seinem Ineinander von Yin und Yang und das buddhistische Streben ins Nirwana durch Enthaltung von allem Wollen bzw. im Zen-Buddhismus die Harmonisierung des Handelns im rituellen Bogenschießen, Schwerterkampf, Teezeremonien etc., die Vorbild für die Harmonisierung unserer Psyche sein können.

Die kulturgeschichtliche Genealogie wird durch
einen individuelle ergänzt und danach werden psychische Deformationen gedeutet.

Im letzten Teil der Philosophie der Psychotherapie wird versucht, das psychotherapeutische Verhältnis zwischen Arzt und Patienten und die
verschiedenen psychotherapeutischen und verhaltenstherapeutischen Methoden
philosophisch zu erörtern. Da letztlich menschliches Verhalten handlungsphilosophisch gesteuert wird, wird sich, soweit psychisch
Hilfsbedürftige dafür ansprechbar sind, das philosophische Gespräch zur Bewusstmachung der je eigenen Handlungsphilosophie,
d. h. die Philosophische Praxis, als
höchste Form psychotherapeutischer Heilung erweisen.

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