Beschreibung

Segen und Fluch der Globalisierung
geändert in:

 Segen und Opfer der Globalisierung

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung,
relative Verarmung, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrisen,
Links- und Rechtsradikalismus, Religionskriege,
Flüchtlingsströme und die Verantwortung Europas

 Autor: Uwe Petersen

Covergestaltung: TomJay – bookcover4everyone / www.tomjay.de
Coverfoto: © ginae014 – Fotolia.com

Ersterscheinungsjahr 2017

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN 978-3-7439-5344-4 (Paperback)
978-3-7439-5345-1 (Hardcover)
978-3-7439-5346-8 (e-Book)

Inhalt

Einleitung.. 7

  1. Der Europäismus als Ursprung der Globalisierung. 13
  2. Herrschaft und Ausbeutung als Motive zur Globalisierung. 13
  3. Handel als Form der Globalisierung. 14

III. Religiöse Missionierung zur Weiterentwicklung der Menschen. 14

  1. Christliche Missionierung. 15
  2. Islamische Missionierung. 16
  3. Der Europäismus und seine Globalisierung. 20
  4. Der westliche und östliche Europäismus als Ursprung des Ost-West-Gegensatzes und ihre Globalisierung 27
  5. Der Westliche Europäismus und seine Globalisierung. 30
  6. Die Individualisierung des Menschen als Wesen des westlichen
    Europäismus und seine Globalisierung. 30

1.1 Das Wesen der Individualisierung. 31

1.2 Der Humanismus als maßgebende Lebensphilosophie des westlichen Europas. 35

1.3 Die Säkularisierung der jüdisch-christlichen Eschatologie im Streben nach
Fortschritt. 36

1.4 Die Arbeit als Mittel der Selbstverwirklichung. 37

  1. Der Nationalismus als unvollkommene Individualisierung der Menschen. 39
  2. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der kapitalistischen Industrieländer und ihre Fehlentwicklungen durch die Pervertierung
    des Individualismus in Egoismus. 41

3.1 Die Gefahr der Selbstzerstörung der kapitalistischen Wirtschaft durch das
Verdrängen der Arbeitskräfte durch immer intelligentere Maschinen und die Gefahr
der Monopolisierung der Weltwirtschaft durch wenige Globalplayer 41

3.2 Der Übergang der kapitalistischen Wirtschaft in eine säkulare Stagnation
als Folge einer im Verhältnis zu den realwirtschaftlichen Investitionsmöglich-
keiten zu hohen Sparrate und ie steigende Gefahr von Wirtschaftskrisen. 44

3.2.1 Möglichkeiten und Grenzen, die volkswirtschaftliche Nachfrage durch Lohnerhöhungen zu stabilisieren. 46

3.2.2 Exportüberschüsse zur Ausfüllung der inländischen Nachfragelücke. 46

3.2.3 Die Bedeutung der Staatsausgaben für das volkswirtschaftliche Gleichgewicht
von Angebot und Nachfrage. 47

3.3. Die zunehmende weltweite Staatsverschuldung und die steigende Gefahr von Staatsbankrotts. 48

3.4 Die Pervertierung des Kapitalmarktes zum Spielcasino. 49

3.5 Die Geldflutung des Kapitalmarktes durch die Notenbanken
zur Vermeidung von Depressionen. 51

3.6 Zusammenfassung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Entwicklung der kapitalistischen Industrieländer 51

  1. Die Globalisierung des westlichen Europäismus. 52

4.1 Die Globalisierung des westlichen Europäismus durch Kolonisierung
der Dritten Welt 52

4.1.1 Die Entwicklung der internationalen Handelsbeziehungen, des Imperialismus und der Kolonisation
bis zum Ersten Weltkrieg. 52

4.1.2 Die Kolonisierung des Nahen Ostens und Nordafrikas durch die Errichtung von
französischen und britischen Mandatsgebieten nach dem Ersten Weltkrieg. 58

4.1.3 Was hat die Kolonisation und Beherrschung von Protektoratsgebieten
für die Europäer und für die Kolonien und Protektoratsgebiete gebracht?. 60

4.1.4 Das Ende der Kolonien. 63

4.2 Die Entwicklung des Nationalismus in Europa und den
Entwicklungsländern nach dem Zweiten Weltkrieg. 67

4.2.1 Der Untergang des alten Europas am Nationalismus und die Verselbstständigung
der Kolonien und Protektoratsgebiete nach dem Zweiten Weltkrieg. 67

4.2.2 Der Nationalismus in den Entwicklungsländern als Motor für die Entwicklung
einer säkularen Gesellschaft und sein Spannungsverhältnis zu religiösen
theokratischen und stammesbezogenen Bewegungen. 68

4.3 Die Auswirkungen des Europäismus auf die Länder der Dritten Welt 69

4.3.1 Die Zerstörung traditioneller Lebensformen durch den Europäismus. 69

4.3 2.Die durch bessere medizinische Versorgung rasante Bevölkerungszu-nahme als zusätzlicher Grund zu Konflikten in Entwicklungsländern und Auswanderung nach Europa. 70

4.4. Die wirtschaftliche Entwicklung der Entwicklungsländer und die
Entwicklungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg. 71

4.4.1 Die stärkere Globalisierung des Handels durch Abschluss des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) 73

4.4.2 Der Zusammenschluss einzelner Länder zu Freihandelszonen und Wirtschaftsunionen. 76

4.4.3 Wachstumsschub für die Entwicklungsländer wegen steigenden Rohstoffbedarfs. 79

4.4.4. Die Entstehung von Schwellenländern und deren Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung der Industrieländer 83

4.4.5 Die Globalisierung des Kapitalmarktes. 84

4.4.6 Die Globalisierung der säkularen Stagnation. 86

4.4.7 Tendenziell weiter abnehmende Beschäftigung durch Rationalisierungen, insbesondere infolge zunehmender Digitalisierung und Roboterisierung. 87

4.5 Globalisierung und Umwelt 88

  1. Der östliche Europäismus und seine Globalisierung. 89
  2. Russland. 90

1.1 Russlands gefühlte Mission. 90

1.2 Russlands zwiespältiges Verhältnis zum Westen und die Folgen für  die
Entwicklung Russlands. 92

1.3 Russlands Globalisierung. 98

  1. Polen. 101

2.1 Der Osteuropäismus Polens als slawisches Land. 101

2.2 Das Selbstverständnis des katholischen Polens als Hüter des wahren Europäismus. 107

2.3 Der Untergang Polens als Adelsrepublik und seine Wiedergeburt als
nationalistischer Staat 110

III. Die Entwicklung des Ost-West Gegensatzes und seine Auswirkungen auf die Dritte Welt 114

  1. Die Auswirkungen des Kalten Krieges auf die Länder der Dritten Welt 115
  2. Die Entwicklung der muslimischen Welt und ihr Widerstand gegen die
    Europäisierung. 118

2.1 Persien/Iran. 122

2.2 Afghanistan. 127

2.2.1 Ethnische Vielfalt Afghanistans. 127

2.2.2 Die politischen Beziehungen zu Nachbarländern. 128

2.2.3 Afghanistan als Spielball östlicher und westlicher Globalisierung und der religiöse
Widerstand dagegen. 131

2.2.4 Die Entwicklung und Rolle von Milizen in Afghanistan. 133

2.3 Osmanisches Reich. 135

2.3.1 Entwicklung des Osmanischen Reiches. 135

2.3.2 Niedergang des Osmanischen Reiches, insbesondere durch Rückständigkeit  gegenüber
Europa und  wegen unzureichenden Reformwillens. 136

2.3.3 Der Zerfall des Osmanischen Reiches aufgrund zunehmender nationaler Bestrebungen
seiner unterschiedlichen Ethnien. 139

2.4 Saudi-Arabien. 140

2.5 Palästina und Jordanien. 144

2.6 Syrien, Irak, IS Islamischer Staat 147

2.6.1 Syrien. 148

2.6.2 Irak. 151

2.6.3 IS Islamischer Staat 158

2.7 „Kurdistan“. 159

2.7.1 Kurden im Iran. 160

2.7.2 Kurden im Irak. 160

2.7.3 Kurden in Syrien. 161

2.7.4 Kurden in der Türkei 163

2.8 Ägypten. 168

2.9. Libyen. 171

2.10 Somalia. 173

2.11 Eritrea. 174

2.12 Türkische Republik. 175

  1. Das Scheitern der Amerikanisierung Russlands, der Eurasisimus und die
    Wiedergeburt des Ost-West-Gegensatzes. 182
  2. Das Scheitern des westlichen und östlichen Europäismus auch als Folge des
    Übergangs von der bipolaren zur multipolaren Weltpolitik. 188
  3. Segen und Fluch der Globalisierung. 189
  4. Die Krise und die Weiterentwicklung des Europäismus in der globalisierten Welt. 193
  5. Der Trumpismus als Krise des Europäismus. 194
  6. Die Einigung Europas als Bedingung zur Überwindung der Krise des Europäismus. 202
  7. Die Spaltung Deutschlands und Europas und Europas Degradierung zu
    Bestandteilen des von den USA geführten West- und von der Sowjetunion geführten Osteuropäismus. 203
  8. Die Entwicklung der Europäischen Union. 204

2.1 Fehler bei der Gründung der Europäischen Union und ihre Folgen. 206

2.2 Die Eurozone und die Folgen von Fehlern bei ihrer Gründung. 208

2.3 Deutschlands Gefährdung der Europäischen Union und insbesondere der
Eurozone durch die Agenda 2010. 210

  1. Die Gefährdung des sozialen Friedens und der europäischen Einigkeit
    durch Flüchtlingsströme. 214
  2. Linke Protestler als ernst zu nehmende Kritiker gesellschaftlicher
    Fehlentwicklungen und als Randalierer 215

 

III. Die Aufgaben zur Weiterentwicklung Europas und Europas Verantwortung für die Harmonisierung des Ost-West Gegensatzes und
die Weiterentwicklung der globalisie Welt.
218

  1. Grundsätze einer neuen Wirtschaftsethik. 221
  2. Die Stabilisierung und Weiterentwicklung der Europäischen Union. 226

2.1 Die wirtschaftliche Stabilisierung und Weiterentwicklung der
Europäischen Union. 226

2.1.1 Die Überwindung der säkularen Stagnation. 226

2.1.2 Wirtschaftsförderungsmaßnahmen zu Überwindung der Ungleichgewichte
in der wirtschaftlichen Entwicklung der Länder und Regionen. 228

2.1.3 Schutz sensibler Industrien des europäischen Marktes und Verhinderung
von deren Abwanderung. 229

2.1.3.1 Einfuhrbarrieren zum Schutz von sensiblen Industrien. 229

2.1.3.2 Mitarbeiter- oder Staatsbeteiligung in für die Volkswirtschaft wichtigen Unternehmen. 232

2.1.4 Kapitaltransfersteuern, die Koordinierung der Steuerpolitik und die Bekämpfung von Steuerbetrug,
Steuervermeidung und das Ausweichen in Steueroasen. 233

2.1.5 Stabilisierung der Euro-Zone und neue Prinzipien der Geldpolitik. 234

  1. Grundsätze für eine Europäische Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik. 239
  2. Die Notwendigkeit verstärkter Entwicklungspolitik. 241
  3. Deutschlands Verantwortung für Europa und die Welt 243
  4. Zusammenfassung.. 247

Literaturverzeichnis. 250

Der Autor. 256

 

Einleitung

Dass wir uns heute mit den Problemen der ganzen Welt beschäftigen müssen, ist eine Folge der Globalisierung. Dabei müssen wir uns bewusst sein, dass die Globalisierung eine Globalisierung unseres europäischen Geistes, unserer Lebensform, unserer Technik bis hin zur Atombombe, unserer Wirtschaft und Gesellschaft ist und wir somit insoweit selbst mitverantwortlich sind, was weltweit geschieht.

Als Folgen der Globalisierung können wir weltweit nicht nur einen steigenden Lebensstandard und eine raschere Bevölkerungsvermehrung aufgrund besserer Gesundheitsvorsorge und Medikamente beobachten, wir müssen auch eine relative Verarmung, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrisen, Links- und Rechtsradikalismus, Religionskriege und riesige Flüchtlingsströme beklagen.

Soweit die negativen Folgen der Globalisierung auf die westliche Welt zurückwirken, führen sie zur allgemeinen Verunsicherung, die sich dann in einem Vertrauensverlust gegenüber den politischen Institutionen äußert. Dabei werden selbst die größten Errungenschaften der Nachkriegszeit: die Überwindung des Nationalismus und die Einigung Europas, infrage und zur Disposition gestellt und wird das Heil in Abschottung und nationalen autarken Regionen gesucht.

Einen möglicherweise erst vorläufigen Höhepunkt hat diese Aversion gegen die etablierten Institutionen und Mächte in der Wahl des US-Präsidenten Donald Trump gefunden, der, und darin liegt schon die Fragwürdigkeit seiner programmierten Politik, als Milliardär zusammen mit anderen Milliardären und unter Förderung von Kapitalmarktspielen die Masse der wirtschaftlich Zurückgebliebenen zu neuem Wohlstand und neuer Größe führen will. Dazu will er die USA vom Weltmarkt abkoppeln und verlorene Industrien ins Land zurückholen.

Alle kleinen Trumps: Victor Orbán, Jaroslav Kaczyinski, Gerd Wilders, Marine le Pen, Beppe Grillo und in Deutschland die Führer der PEGIDA und der AfD und deren Gefolgschaft, jubeln ihm dabei zu und proklamieren analog Eigenständigkeit, den Austritt aus der Eurozone oder gar der Europäischen Union. Dabei vergessen sie, dass sich die USA eine Abschottung und Autarkie leisten können, weil sie einen so großen heimischen Markt haben, dass sie auch ausländische Hersteller zwingen können, in den USA zu fertigen, wenn sie dort verkaufen wollen. Wer wollte aber noch in den aus der Europäischen Union ausgetretenen kleineren Ländern investieren?

Schon aus rein wirtschaftlichen Marktgesichtspunkten würden diese Nationalisten ihr Land ins Abseits führen und ohne den Rückhalt der anderen europäischen Länder und der Europäischen Zentralbank schutzlos den wachsenden Währungs- und Weltwirtschaftsturbulenzen überliefern. Was ein Austritt aus der Europäischen Union bedeutet, kann anschaulich an Großbritannien nach dem BREXIT abgelesen werden, wenn Großbritannien nach einem Abfall Schottlands überhaupt noch „groß“ genannt werden kann.

Ihr Hoffnungsträger Donald Trump würde den Austrittswilligen nicht helfen. Er denkt nur an Amerika und anerkennt nur Starke. Deswegen ist er natürlich interessiert, dass der Machtfaktor Europa zerfällt. Da die europäischen Trumps die Notwendigkeit einer Stärkung Europas nicht erkennen, um Amerika und anderen Großmächten Paroli bieten zu können, erweisen sie sich zudem noch als politische Deppen.

Nun ist die zunehmende Unzufriedenheit mit den gegebenen Verhältnissen nicht unbegründet. Sie ist die Folge einer unzulänglichen Weiterentwicklung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Theorien und Ideale und der davon bestimmten Politik. So entwickelten sich Disharmonien. Insbesondere kam es zu einer immer ungleicheren Vermögens- und Einkommensentwicklung. Abgesehen von der darin liegenden sozialen Ungerechtigkeit entstand wegen der zu hohen Sparrate im Verhältnis zu den gewinnversprechenden Investitionsmöglichkeiten und Innovationen eine immer größer werdende volkswirtschaftliche Nachfragelücke. Die Nachfragelücke konnte nur ausgeglichen werden durch zunehmende Staatsausgaben oder dadurch, dass, wie in Deutschland, überschüssige Nachfrage durch Exportüberschüsse ins Ausland verlagert wird. So blieben die Wachstumsraten mager und begünstigen fast nur die ohnehin schon Vermögenden. Nur die Kapitalmarktspiele florieren und feiern das Durchbrechen von immer höheren Aktienindexmarken.

Um die Wirtschaftsentwicklung und die Globalisierung zu verstehen, müssen wir die ihnen zugrundeliegenden Antriebe analysieren. Dabei wird sich zeigen, dass die Triebkräfte und Zielsetzungen der Wirtschaftsentwicklung und der Globalisierung in der besonderen geistigen Entwicklung Europas gründen, wie es aus dem antiken und jüdisch/christlichen Erbe hervorgewachsen ist.

Zu den Naivitäten der Beurteilung der gegenwärtigen Geschichts-, Gesellschafts- und damit auch Wirtschaftsentwicklung gehört, dass von einem Menschenbild ausgegangen wird, wonach der Mensch schon immer mehr oder weniger so strukturiert und veranlagt war, wie in der heutigen westlichen Welt. Deswegen bleibt auch unverständlich, warum sich Zivilisationen und Kulturen unterschiedlich entwickelt haben und warum es nicht möglich ist, in jede beliebige Gesellschaftsordnung die westliche Demokratie einzuführen. Es muss bewusst werden, dass sich der Geist der Menschen, seine Empfindungen, sein Wollen, seine Verhaltensweisen, sein Selbstbewusstsein erst über viele 1000 Jahre entwickelt haben und die Entwicklung dabei in den einzelnen Ländern unterschiedliche Wege gegangen ist. Vieles ist allen Menschen gemein, vieles aber auch unterschiedlich, und wenn diese Unterschiede nicht beachtet werden, ist keine vernünftige Interpretation gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Verhältnisse möglich.

Die Analyse der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verhältnisse der Welt zeigt auch, dass es nicht reicht, einfach Machtverhältnisse, wirtschaftliche Entwicklung und Rohstoffvorkommen miteinander zu vergleichen, sondern dass die geistigen und insbesondere auch religiösen Motivationen viel bedeutendere Antriebe für politische und gesellschaftliche Aktionen sein können. Anders lassen sich das Scheitern der USA in Vietnam, die iranische Revolution, das leichte Vorrücken der IS und seine Behauptung nicht erklären.

Es mag den zeitgenössischen Leser verwundern, dass wir die Erörterung der Probleme der Globalisierung bis auf die Religion zurückführen. Wenn man aber bedenkt, wie weit andere Religionsbekenntnisse, insbesondere der Islam, heute die Gesellschaftsideale der muslimischen Länder und die internationale Politik bestimmen, dann müsste eigentlich Verständnis dafür geweckt werden können, dass auch die Europäer sich auf ihr geistiges Erbe und die daraus entstandenen Verhaltensweisen besinnen sollten, gerade auch, um anderen Religionsansprüchen zu begegnen und die eigene Position zu verstehen. So sei es erlaubt, dass, da der Europäismus als Wurzeln einerseits die Antike und zum anderen das Christentum hat, auf deren Wesen zu reflektieren.

Bei der Erörterung des Europäismus darf nicht übersehen werden, dass sich dieser selbst in eine westliche und östliche Komponente teilt, die beide globalisiert wurden. Die maßgebenden Länder für den westlichen Europäismus waren Großbritannien und dann später die angelsächsische Welt, dominiert von den USA. Den östlichen Europäismus repräsentierten die osteuropäischen Länder, zunächst maßgebend vor allem Polen, dann aber immer mehr Russland mit seiner Expansion bis an das Schwarze Meer und nach Wladiwostok.

Diese beiden Europäismen und deren Globalisierung traten seit der Gründung des britischen Imperiums und des russischen Reiches in ein Spannungsverhältnis zueinander. Insbesondere Russlands Bestreben seit Peter dem Großen, eine Seemacht zu werden, und sein Drang ans Schwarze Meer, den Persischen Golf und das Indische Meer empfanden die Briten als Bedrohung ihres Seeweges nach Indien. Der daraus erwachsene Ost-West-Gegensatz bestimmte weiterhin, wie auszuführen sein wird, nahezu alle Konflikte im Nahen und Mittleren Osten, war Ursache der Ost-West-Spaltung nach der Russischen Oktoberrevolution und überlagert die gegenwärtigen Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten.

Zum Verständnis der gegenwärtigen politischen Probleme wird daher auch das Wesen des Ost-West Gegensatzes und der Stellung Europas darin zu erörtern sein. Die daraus zu gewinnenden Erkenntnisse können helfen, die Verantwortung und Aufgabe Europas und, als stärkste wirtschaftliche Macht Mitteleuropas, Deutschlands bei der Überwindung und Vermittlung des Ost-West Gegensatzes zu verstehen. Damit ergibt sich als Gliederung dieser Ausarbeitung:

  1. Der Europäismus als Ursprung der Globalisierung.
  2. Der westliche und der östliche Europäismus als Ursprung des Ost-West- Gegensatzes und ihre Globalisierungen
  3. Die Krise und die Weiterentwicklung des Europäismus in der globalisierten Welt.

Um die Bedeutung des Ost-West-Gegensatzes für westliche Leser verständlicher zu machen, wurden die geistigen gesellschaftlichen und politischen Motive Russlands als Bringer christlicher Erlösung, Drittem Rom bis hin zum Eurasismus, der heute immer mehr die russische Politik bestimmt, und auch Polens Antagonismus gegen Russland ausführlicher behandelt.

Zum Verständnis der Auswirkungen der Globalisierung des Europäismus auf die außereuropäischen Länder wurde deren Entwicklung detaillierter dargestellt. Denn jedes Land hat seine eigenen Probleme und kann den Weltfrieden beeinflussen. Wer die Geschichte der Kolonisierung und der Unabhängigkeitsbewegungen im Spannungsverhältnis des Ost-West-Gegensatzes kennt, kann diese Berichte überschlagen. Sie werden dazu durch besondere Lettern kenntlich gemacht.

 

 

 

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